Dienstag, 22. September 2009

Google-Logo von der Welt aus Hamburg

Manchmal machen Eltern einem das Leben nicht leicht. "Mein Vater fragt mich jede Woche: Junge, was machst du da?", erzählt Micheal Lopez. "Ich sage dann immer: Papa, ich zeichne den ganzen Tag." Aber das ist wohl eine Generationenfrage. Denn wer die Internetseite Google kennt und das Logo anschaut, ist Lopez schon begegnet. Der 29-jährige Kalifornier malt "Doodles" auf der Startseite, das sind die Bilder auf dem Firmenzeichen. Fans dieser Zeichnungen verehren Lopez wie einen Popstar.

Mit dem eigenen Sohn hat er in dem Punkt keine Probleme. Der elfjährige Nathan weiß, was der Vater macht, schließlich war er schon in seiner Schulklasse und hat ein paar Zeichen-Tricks gezeigt.

Dazu ist der Hobby-Basketballspieler auch bei einem Treffen mit der WELT sofort bereit. "Zum letzten Mal hatte ich Kreide in der Hand, als ich mit meinem Sohn Bilder auf die Steine unserer Auffahrt gemalt habe. Das ist aber schon eine Weile her", baut er zu großen Erwartungen vor. Lopez nimmt weiße Kreide und macht für seinen Besucher ein Hamburg-Doodle. In einer Seelenruhe zeichnet er zunächst die vier Anfangsbuchstaben des Logos, malt dann das "l" zur Turmuhr an den Hamburger Landungsbrücken um und arbeitet sich bis zu dem im Bild versteckten "e" vor.

Dabei wollte Lopez, der Sohn mexikanischer Einwanderer, eigentlich kein Zeichner in einer Internetfirma werden. In San Francisco studierte er Kunst an der Academy of Art und träumte von einer Zukunft als Künstler. "Dann habe ich aber erkannt, dass man damit kein Geld verdienen kann", erzählt er. Deshalb suchte er sich Arbeit bei einer Marketingfirma in San Jose, wechselte dann aber im Jahr 2003 als Grafiker zu Google. Seit 2005 macht er die Logo-Zeichnungen. Ideen dafür kommen ihm zu jeder Zeit und an jedem Ort. "Mir kann unter der Dusche ein Bild einfallen oder nachts, wenn ich aufwache."

Vorgaben hat er angeblich nicht. Nationale Feiertage oder Geburtstage gelten als regelmäßige Daten. "Wir haben bislang vielleicht 150 Doodles gemacht, aber es gibt keine feste Planung", sagt Lopez. Ohnehin verbringe er nur ein Fünftel seiner Zeit damit, den Rest arbeite er als Web-Designer. Entstanden ist das Ganze bei einem Musikspektakel in der Wüste Kaliforniens. Zu dem "Burning Man" genannten Treffen kamen auch etliche Google-Mitarbeiter. Um sich auf der Firmen-Internetseite darüber zu informieren, malte einer von ihnen einen "Burning Man" in das Logo - was Folgen haben sollte.

Dabei gilt ein Konzern-Logo für gewöhnlich als unantastbar. Coca-Cola, Marlboro oder Nivea trauen sich höchstens an minimale Änderungen heran, um die Wiedererkennung und damit den Wert der Marke nicht zu riskieren. "Wir sind anders, wir wollen uns selbst nicht zu ernst nehmen", sagt Lopez.

"So etwas geht nicht bei Marken, die über 100 Jahre gewachsen sind Aber was Google tut, ist auf diese Art perfekt", sagt Franz M. Schmid-Preissler, Berater und Markenexperte. Dies seien kunstvolle Markenbotschaften, die kleine Geschichten erzählten. "Sie geben dem Unternehmen eine Seele und eine Kultur", sagt Schmid-Preissler.

Dass Google die Bilder an Werbekunden verkaufen könnte, schließt Lopez aus. Doodles für Ford, UPS oder andere werde es nicht geben. "Ich habe meinen Leuten gesagt: Bevor wir das machen, will ich einen Doodle für meinen Geburtstag", sagt er. Mal sehen, welches Logo am 30. April auf der Seite steht.

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